Mo

20

Okt

2008

Die diskriminierende Zweierkiste

Single zu sein hat durchaus viele Vorteile. Keiner, der mir die Decke Nacht für Nacht streitig macht. Niemand, der anstrengende Bruce-Lee-Filme sehen will, wenn die letzte Folge «Men in Trees» über die Kiste flimmert. Und keiner, der sich über meine Unordnung beklagt. Und doch gibt es sie, die täglichen Single-Unannehmlichkeiten.

Einkaufen zum Beispiel. Es gibt keine richtige Auswahl an Singlehaushaltprodukten oder -Esswaren. Alles ist immer ein bisschen zu viel oder vielfach in diesen diskriminierenden Zweierpackungen abgefüllt.

Als ich nach einer schmerzlichen Trennung als frischgebackener Single einmal zur Migros ging, brach ich in Tränen aus, als ich ein Doppelpack mit Schoggi-Brötchen sah. So glücklich sahen die zwei nebeneinander aus. Bitter war es ebenso im Reisebüro, als ich meinen ersten Single-Urlaub buchen wollte. «Wenn Sie das Zimmer alleine nutzen, ist es teurer.» «Ich reise alleine - leider.» «Ja, aber wollen Sie denn niemanden mitnehmen?» - «Doch, doch. Am Willen liegt es nicht.» - «Ja, aber dann lässt sich doch sicher jemand finden.» - «Der Jemand hat mich gerade verlassen, danke!» Die Ferienstimmung hat mir die Beratungstante mit dieser Aktion gründlich verdorben.

Ist aber auch besser, dass ich nicht an den Strand geflogen bin. Dort bräuchte ich jemand für dieses verflixte Eincremen. Da gibt es immer diese eine Stelle am Rücken. Und damit meine ich die fiese, die man vielleicht, nur nach jahrelangem, intensivem Yoga-Training, alleine erreichen kann. Die verbrenn ich mir ständig! Ich freue mich darauf, mich bald wieder über weggezogene Decken und Bruce-Lee-Filme zu ärgern.

[Quelle: Blick am Abend]