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19

Nov

2008

Erste Gäste im «Null-Stern Hotel»

Mit ihrem «Null-Stern Hotel» in Sevelen im St. Galler Rheintal machen die Künstler-Zwillinge Frank und Patrik Riklin (35) derzeit Furore. Am 14./15. November logieren die ersten Gäste im Zivilschutzbunker - durchaus freiwillig.

Sie meldeten sich aus München, Genf oder Köln, um im Null-Stern-Hotel in Sevelen eine Nacht in der Doppelstock-Pritsche neben dem Lüftungsschacht zu verbringen. Das grosse Medien-Echo auf das Projekt sei überraschend, sagt Frank Riklin. «Irgendwie haben wir den Nerv der Zeit getroffen.»

Das Künstler-Duo, Inhaber eines «Ateliers für Sonderaufgaben» in St. Gallen, will in Sevelen eine Antwort auf den «Grössen- und Luxuswahn der heutigen Zeit» geben, wie Riklin erklärt. Das «Null-Stern-Hotel» sei eine künstlerische Installation und eine «innovative Erweiterung des gängigen Hotelangebots».

Kulturprojekt
Ausgangspunkt war ein Kulturprojekt in einem kaum genutzten Gebäude der Gemeinde. Künstler sollten nach ihren Auftritten eine Übernachtungsmöglichkeit in der Zivilschutzanlage erhalten. Daraus entwickelten Frank und Patrik Riklin ihre Idee des «Null-Stern-Hotels».

Am 11. November stimmt die Bürgerversammlung über einen Projektierungsbeitrag von 83 000 Franken für das Kulturprojekt ab. Für Gemeindepräsident Roman Zogg ist der Ausgang der Abstimmung ungewiss.

Die Künstler-Zwillinge wollen ihre Idee unabhängig vom Ergebnis der Bürgerversammlung weiterverfolgen, und zwar nicht nur in Sevelen. Das «Null-Stern-Hotel» habe Potenzial, sind sie überzeugt. Vielerorts stünden Zivilschutzanlagen leer.

Von Standard bis Luxus
Wer im Bunker-Hotel in Sevelen übernachtet, kann zwischen den Kategorien «Standard» (Doppelstockbett mit Hotel-Duvet), «Komfort» (Ambulanz-Liege) und «First Class» (ausgedientes Hotelbett) wählen. Wem dies noch nicht genügt, bucht die Kategorie «Luxus» und schlummert in einem Biedermeier-Bett.

Die Internetseite www.null-stern-hotel.ch verspricht «Luxus mit dem Charme des Kalten Krieges». Das Angebot umfasst vorerst 14 Betten. Die Übernachtung soll weniger kosten als in einer Jugendherberge. Als «Hotelpersonal» stehen drei bis fünf Freiwillige im Einsatz.

Willkommene Publicity
Der 4400-Seelen-Gemeinde Sevelen bringt das «Null-Stern-Hotel» willkommene Publicity. Das Projekt habe «weltweites Echo ausgelöst» bis nach China, Japan und in die USA, heisst es auf der Homepage der Gemeinde.

Keine Freude herrscht hingegen beim Verband Hotellerie Suisse, der für die Vergabe von Hotel-Sternen zuständig ist. Eine Verbandssprecherin äusserte wettbewerbsrechtliche Bedenken. Frank Riklin weist dies zurück: Das «Null-Stern-Hotel» sei keine Hotel-Konkurrenz, sondern ein künstlerisches Projekt.

[Quelle: www.bluewin.ch]