Sa
29
Nov
2008
Schaffhausen am «Sächsilüüte» 2009
Eine Einladung der Zürcher Zünfte sagte der Schaffhauser Regierungsrat vor einigen Jahren «schweren Herzens» ab, die eigene 500-Jahr-Feier und die Expo standen vor der Tür – zu viel auf einmal für den Kanton Schaffhausen, der damals nur klein und noch nicht als «kleines Paradies» brillierte. Just unter diesem Logo segelt jetzt aber die Beteiligung des Kantons Schaffhausen am kommenden Zürcher Sechseläuten, das vom 17. bis zum 20. April 2009 stattfinden wird. Schaffhausen wolle sich in Zürich als «lebenswerte Alternative zur Grossagglomeration und als kleines Paradies» zeigen, erklärte gestern Reto Dubach.
Eine «Ehre» für Schaffhausen
An einer am Freitag im Regierungsratsratssaal durchgeführten Medienorientierung beteuerte Regierungsrat und OK-Präsident Dubach weiter, die bereits vor Jahresfrist vom Zentralkomitee der Zürcher Zünfte eingegangene Anfrage habe die Regierung «mit Freude» angenommen, es sei für den Kanton Schaffhausen eine «Ehre», im Frühjahr an diesem historischen und in der Öffentlichkeit noch immer vielbeachteten Frühlingsfest der Zürcher teilzunehmen.
«Vielfältig und attraktiv»
Ein Organisationskomitee, dem federführend auch Staatsschreiber Stefan Bilger und Kantonsrat Christian Amsler angehören, hat mittlerweile ein Konzept erstellt, die Vorbereitungsarbeiten sind schon weit gediehen, mehr noch: «Das Programm», so gestern Reto Dubach, «steht». Es ist «vielfältig und attraktiv», orientiert sich aber natürlich am bekannten und eher bieder grundierten Rahmen des Zürcher Anlasses. Dennoch gibt das Sechseläuten dem jeweiligen Gastkanton Gelegenheit, sich zu profilieren und etwas für das Image zu tun. Dieses Jahr war Solothurn an der Reihe, der Kanton trumpfte auf dem Platz der Kantone, dem Lindenhof, unter anderem mit Guggen, Bands und einem «Poetry-Slam-Event» auf.
Selbstbewusst und weltoffen
Schaffhausen möchte sich als selbstbewussten, weltoffenen Kanton darstellen und als Wohn- und Arbeitsort nicht zuletzt für junge Familien präsentieren. Dabei will man beim Auftritt in Zürich nicht klotzen und protzen, das Licht während des mehrtägigen Anlasses und speziell an den Umzügen allerdings auch nicht unter den Scheffel stellen. Budgetiert sind immerhin 500 000 Franken – ein schöner Batzen, der indes nicht in den Rachen der Grosskopfete fliessen soll: Das Fussvolk vor allem ist eingeladen, ein Spezialticket mit den SBB soll die Bevölkerung zur Teilnahme animieren.
Immer etwas los
Während vier Tagen, von Freitagabend bis Montagabend, trifft man sich also in Zürich. Auf dem Lindenhof beispielsweise, wo das Sechseläuten jeweils am Freitag mit einem Empfang von Gästen beginnt, wird ein bunter Treffpunkt für die Familie eingerichtet, mit Tippizelten, einer mobilen Kletterwand und einer Riesenrutschbahn. Laut Christian Amsler wird dieser Ort für Kinder und Erwachsene von Jugendvereinen, aber auch von Studenten der Pädagogischen Hochschule betreut und betrieben. Mit Blick auf den Tourismus ist man dort auch mit Spezialitäten, mit Musik, mit einheimischen Getränken präsent. Ein Informationspavillon soll ebenfalls auf die Schönheiten des Schaffhauserlandes, auf den Rhein, den Randen, den Munot aufmerksam machen.
Auch Gaukler dabei
Neben den Spielen auf dem Lindenhof dürfen Schaffhauser Kinder selbstverständlich auch am traditionellen Umzug teilnehmen, er soll «fröhlich, naturverbunden» und «paradiesisch» erfolgen und wird von der Knabenmusik begleitet; ein entsprechender Aufruf in Schulklassen und an die Adresse von Eltern wird durch das Organisationskomitee noch folgen. Man denkt auch an die Beteiligung von Zauberern, Gauklern, Strassenmusikanten und Theatergruppen.
Fest für alle Kinder
Die Zürcher Zünfte sind sehr an diesem sonntäglichen Anlass interessiert, der Kinderumzug sei in Zürich ein «Fest für alle Kinder, ganz egal, ob mit oder ohne direkten Bezug zum Sechseläuten und zu den Zürcher Zünften. Jedes Kind zwischen 5 und 15 Jahren» sei willkommen, schreiben die Zünfte auf ihrer Homepage. Dieses Jahr machten rund 2000 Kinder mit.
Lebensfreude mit dem Bock
Der Böögg, ein künstlicher Schneemann, der den Winter verkörpert, wird jeweils am Montag um 18 Uhr verbrannt beziehungsweise hingerichtet; es ist der Höhepunkt und der eigentliche Hauptanlass des Sechseläutens. Dieser «Zug zum Feuer» ist von Schaffhauser Seite aus ebenfalls bereits mehr oder weniger durchorganisiert, zuvorderst dürfen der vom Munotverein ausgeliehene Schaffhauser Bock und die Fahnenträger nicht fehlen, ferner marschieren zwölf Schaffhauser Zünfte mit, die Musikgesellschaft Hallau untermalt das Historiengemälde mit Pauken und Trompeten, auf je einem Wagen werden der Munot sowie ein geschmückter Weidling mitrollen. Die Sujets werden auch den Zürchern nicht ganz fremd vorkommen, es geht hier aber in erster Linie um «Wiedererkennungswert» und letztlich, was der Sinn des Ganzen ist, um «Lebensfreude». Möge dies gelingen und der Traum vom Paradies nicht vorzeitig platzen, sintemal über den Häuptern der Festgemeinde auch noch «Paradies-Luftballone» schweben werden.
Der Böögg Bedeutung und Schicksal Brauchtum Das Sechseläuten als Abschied vom Winter und als Frühlingsfest geht auf alte Bräuche und auf die Zürcher Zünfte zurück, die über 450 Jahre die Geschicke der Stadt bestimmten. Den Böögg als Schreckensgestalt kennt man seit dem 15. Jahrhundert, verbrannt wurde er unter verschiedenen Vorzeichen seit dem 18. Jahrhundert. Gast in Zürich Das Zentralkomitee der Zünfte Zürichs lädt (aus Anlass der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft) seit 1991 jedes Jahr einen Kanton an das Sechseläuten ein. Der Gastkanton präsentiert sich auf dem Lindenhof mit einer Ausstellung, einem Unterhaltungsprogramm und kulinarischen Spezialitäten. Am Kinderumzug und am Umzug der Zünfte nimmt er mit einer eigenen Delegation und kantonstypischen Sujets teil. Dieses Jahr präsentierte sich der Kanton Solothurn.
[Quelle: www.shn.ch]
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