Sa

20

Dez

2008

The model

Eine Bar irgendwo in Downtown, nur ein paar wenige Seelen und auf einem Monitor läuft der Boxkampf  Holyfield gegen Valuev. Du sitzt alleine an der Theke ignorist die Umwelt und so auch mich. Erst als du dir eine Zigarette anzünden willst, dein Feuerzeug streikt und ich dir Feuer anbiete, würdigst du mich mit einem Blick!

Ich sehe, dass du weinst, in deine Augen der Glanz fehlt und du mir etwas sagen möchtest. Es folgt ein heiseres Danke, über deine zitternden Lippen und du drehst dich wieder weg von mir. Ich las weiter in einer Zeitschrift, nippte an einer Cuba Libre und blickte ab und zu auf den Monitor. Ich spürte einen Luftzug, blickte auf und sah, dass du dich neben mich gesetzt hast. Du bittest mich um eine Zigarette, sagst mir deinen Namen und fragst nach meinem Namen. Du beginnst zu sprechen: "Ich bin ein Model ..."

Du bist ein Model und siehst gut aus, denke ich! Und jetzt beginnst du zu reden, erzählst mir deine Geschichten, von Trauer, Schmerz und Enttäuschungen. Ich höre dir meistens nur zu. Ab und zu erzähle ich auch etwas von meinem Leben und wie gelernt hatte damit umzugehen. Je länger unser Gespräch dauert, desto weniger fliessen Tränen und gelegentlich lachst du auch. Die Zeit vergeht wie im Fluge, so dass uns nahe gelegt wird die Bar zu verlassen, weil sie schliesst.

Nun sind wir im Freien. Es regnet leicht und ist ein bisschen kalt. Du frierst und ich gebe dir meinen Pullover. Wir gehen zu Fuss durch die menschenleeren Gassen und sprechen weiter. Irgendwann bist du sehr müde, ausgelaugt und möchtest schlafen gehen. Du rufst dir mit deinem Handy ein Taxi, das zehn Minuten später vorfährt.

Du bedankst dich, für die Zeit die du mir gestohlen hast, mein Zuhören, meine Worte und steigst in das Taxi. Ich winke dir zu und du zurück. Das Taxi fährt ab und bleibt nach zwanzig Meter stehen. Ich höre dich meinen Namen rufen, eile zu dir und bücke mich ins Taxi. Du umarmst mich, bedankst dich nochmals und drückst mir einen Kuss auf die Wange. Ich warte, bis ich die Rücklichter nicht mehr sehe und mache mich dann auf den Heimweg.

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