Fr

16

Jan

2009

Judy ist nicht mehr unter uns ... also ... unter mir

Es gibt so Zeiten der Dürre, wo sich der Körperkontakt zum schönen Geschlecht auf drei Wangenküsschen beschränkt. Bei mir waren es mal sage und schreibe fünf Jahre. Das ist natürlich bitter. Man braucht bloss wissenschaftliche Studien zu lesen, wonach Frauen ohne Sex ...

... relativ gut über die Runden kommen, während die Männer schlicht und einfach den Verstand verlieren. Das ist eine bewiesene Tatsache. Und so nach einiger Zeit der Lieblosigkeit befürchtete ich, dass bei mir langsam etwas kaputt gegangen und ich nicht mehr ganz klar im Kopf war. Ich musste etwas unternehmen.

Ich fuhr nach Zürich und kaufte mir an der Langstrasse eine Plastikvagina. Sie war ein grässlich stilloses Ding, wahnsinnig plump, man konnte sie nicht einmal waschen. Es war daran alles derart unappetitlich, dass es sogar dem stinkigsten Fascho am letzten Zipfel der Welt hochgekommen wäre.

Also fuhr ich nochmals zur Langstrasse - und entdeckte Judy!

Anfangs hiess sie nicht so, aber ich liess sie irgendwann von einem Pfarrer auf diesen Namen taufen. Judy war sanft und geschmeidig, sie stülpte sich wonnesam und wohltuend über mich, sie öffnete sich mir voller Zärtlichkeit. Innert kurzer Zeit hatte es mir Judy angetan. Ich bastelte ihr ein Bettchen aus einer alten Zwiebackschachtel, inklusive Kissen und Bettlaken und gab ihr jeden Abend einen Gutenachtkuss vor dem Schlafengehen.

Ich mochte Judy wirklich sehr. Es war fast Liebe. Wir nervten einander nicht. Es gab keine Streitereien, keine Familienzusammenkünfte, und ich musste sie nicht mal zum Essen einladen. Aber alle guten Zeiten haben ein Ende. Judy zerfiel langsam in ihre Einzelteile, ich bestattete sie im Garten.

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