Do
09
Apr
2009
Hip-Hop-Matador mit Örgeli
Volksmusik, kombiniert mit Hip-Hop - diese Bligg-Mischung gefiel dem Publikum und auch mir in der Kammgarn, heute Abend! Das Licht geht aus, und ein einziger lauter Schrei aus 700 Kehlen durchfährt die Kammgarn. Plötzlich blitzen vier Doppelscheinwerfer grell ins Publikum, und der Mann des Abends betritt die Bühne: Bligg ist da. Um es gleich vorwegzunehmen: Bligg rockte die Kammgarnhalle, bis die Mauern erzitterten.
Er bot eines der besten Konzerte seit langem im Kulturclub. Er liess den Gästen kaum Zeit zum Atmen und donnerte Lied um Lied, Hit um Hit in ihre Ohren. «Das isch Musig», rockte er los, und es zeigte sich sogleich der spezielle Style des Künstlers. Unter seinen acht Musikern befanden sich nicht nur DJ, ein Schlagzeuger und ein E-Gitarrist, sondern auch ein Handorgelspieler und ein junger Bursche am Hackbrett.
Markus Bliggensdorfer - wie Bligg mit bürgerlichem Namen heisst - hat sich bei seiner Musik auf Schweizer Ideale besonnen und wagt den vermeintlich unmöglichen Schritt. Er kombiniert Schweizer Volksmusik mit Hip-Hop. Und das geht so: Zwischen dicken Beats und gescratchten Platten erklingen elektrisch verstärkte Hackbrettmelodien sowie Handorgel- und Jodelparts. Das passt nicht nur gut zusammen, sondern gibt auch eine angenehme frische Brise in den sonst eher cool-verkrusteten Kopfnicker-Hip-Hop.
Die Gäste tobten wie selten. Die Hände zuckten im Takt in die Höhe, es wurde frenetisch mitgeklatscht, und fast jeder kannte die Songs und sang lauthals mit. Die Menge glich dem wilden Stier auf Bliggs Albumcover. Die Gäste schnaubten, stampften und griffen an. Bligg übernahm den Part des Matadors. Es fiel auf, dass im Publikum deutlich mehr weibliche als männliche Gäste waren.
Neben der Musik scheint wohl auch der verwegene Dreitagebart und die tiefe, sonore Stimme des Musikers ein Grund zu sein, um seine Konzerte zu besuchen. «Schöne Maa» und sogar «Ausziehn»-Rufe waren sodann ab und an von gewissen Besucherinnen zu hören. Doch die Wortmeldungen gingen in der Wucht der Musik unter.
Der Zürcher Rapper kam nach einer Stunde zum Höhepunkt der Show mit dem Hit «Rosalie». Das Konzert war ein einziges Feuerwerk. Nervig nur, dass die Melodie des Ohrwurms «Rosalie» auch Stunden später einfach nicht aus dem Kopf gehen will.
[Quelle: www.shn.ch / www.heinzbollinger.ch.vu]
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