Mo
24
Aug
2009
Der Weinfall von Schaffhausen
Geheimtipp für Geniesser: Rebensaft aus der Schweiz, der Gaumen und Geldbeutel schmeichelt. Das Restaurant «Bad Osterfingen» in dem gleichnamigen Ort ist ein einladender Platz. Gern verweilt der Gast im herrlichen Garten unter den mächtigen Kastanienbäumen, geniesst den Blick auf weiche Hügel und verträumte Täler.
Das Schaffhausische ist ein fruchtbares, reiches Land, die Höfe sind mächtig und die Dörfer gepflegt. Michael Meyer, Wirt vom «Bad», weiss das zu schätzen, er kennt seinen Kanton und die Kostbarkeiten, die er zu bieten hat. Einer davon heisst «Blauburgunderland» und ist das bislang wohl am meisten unterschätzte Weinanbaugebiet der Schweiz. Und so serviert Meyer in seinem Restaurant (Spezialität: Hausgemachte Spätzli) nicht nur eine breite Palette der besten Schaffhauser Weine – er ist als Winzer auch eins der Aushängeschilder des rund 500 Hektar umfassenden Schaffhauser Anbaugebiets.
Seine erfolgreichsten Produkte sind die zwei «Zwaa», einer weiss – Pinot Blanc/Chardonnay –, einer rot – Blauburgunder selbstverständlich. Wer einen roten «Zwaa» ergattern kann, darf sich glücklich schätzen. Es gibt ihn seit 1994, die Idee dahinter war, den eleganten Meyer-Wein mit seinem schönem Beerenaroma, der auf Kalk und Kies gedeiht, mit dem kräftigen, komplexen, weil auf tiefem Lehmboden wachsenden Blauburgunder vom Weingut Baumann aus Oberhallau zu vermählen. Das Baumann/Meyer-Produkt ist für seine Qualität und sein Potenzial relativ günstig, kostet etwas über 30 Franken (und auch sonst dürfen sich die Schaffhauser Weine einer sehr kundenfreundlichen Preispolitik rühmen). Aber das Resultat darf sich sicher mit den besten Mösten aus der bei Weinliebhabern gerade so angesagten Bündner Herrschaft messen.
Die Pioniere wurden belächelt und haben gesiegt
«Ach, den Erfolg der Bündner werden wir nie haben», sagt Ruedi Baumann, der wohl bekannteste unter den Schaffhauser Winzern, mit gespielter Resignation. «Dort fahren die Zürcher ja mindestens vier Mal im Jahr durch, wenn sie in die Ferien reisen. Wir hier im Klettgau haben ja kaum Durchgangsverkehr.» Doch beklagen will er sich nicht, 40'000 Flaschen werden pro Jahr auf dem «Baumann Weingut» gekeltert, und der Chef sagt, dass es nicht mehr werden sollen, dass er lieber weiterhin seine acht Hektar gepflegt bewirtschaftet und die Produkte verbessert. Seine Frau Beatrice erzählt, wie sie und ihr Mann Anfang der 80er Jahre belächelt worden waren, als sie auf kleineren Ertrag und mehr Qualität im Rebberg setzten. Die Baumanns gehörten zu den Pionieren - und heute dürfen sie sich über allgemeine Anerkennung, Auszeichnungen und einen guten Absatz freuen.
Eine kleine Ewigkeit war Schaffhauser Wein eher müde belächelt worden. Massenware, Quantität statt Qualität. Doch in den vergangenen Jahren hat das Blauburgunderland eine fast unglaubliche Entwicklung gemacht, viele kleine Kellereien sind entstanden, die Qualität wird von Jahr zu Jahr besser, und die Winzer haben an Selbstvertrauen gewonnen. Baumann zum Beispiel hat mittlerweile elf Produkte im Angebot und traute sich auch an so etwas Schwieriges wie einen Dessertwein aus Trockenbeeren heran.
Degustation mit selbst zubereitetem Menü
Auch Katrin und Markus Hedinger von der Wilchinger «Sunneberg Kellerei» gehören zu den Wagemutigen, die mit der Vergangenheit brachen. Ihr Aceto Balsamico hat schon eine gewisse Berühmtheit erlangt, doch auch ihre Spezialitäten, etwa eine Spätlese 2007 oder ein Dessertwein Federweisser, haben Kultcharakter. Und das auch bei wieder sehr vernünftigen Preisen, ein ausgezeichneter, im Barrique ausgebauter Blauburgunder kostet gerade mal 22 Franken.
Ebenfalls empfehlenswert sind die Weine des Osterfingers Jakob Richli vom Lindenhof. Am besten degustiert man sie zu einem feinen Essen – das Richlis Partnerin Heidi Steiner auf Voranmeldung für kleine Gruppen sogar selber zubereitet. Gespeist wird in der währschaften Winzerstube auf dem Lindenhof, zu jedem Gang wird ein anderer Wein serviert; auch eine Art von Erlebnisgastronomie, aber eine sinnvolle und fröhliche.
60 Weine von 36 Winzern zum Kosten
Den besten Überblick über das Können der Schaffhauser Winzer holt man sich in Schaffhausen. Dort, auf dem Herrenacker, befindet sich das «Vinorama», wo in einem imposanten Gestell mehr als 60 Produkte von 36 Schaffhauser Winzern präsentiert werden. Man kann degustieren und selbstverständlich auch kaufen. Die bekannten Restaurants in Schaffhausen, etwa die wunderbare «Fischerzunft» von André Jaeger (19 Gault-Millau-Punkte) oder die schöne «Sommerlust» von Verena Prager, Tochter des Mövenpick-Gründers Ueli Prager, bieten ebenfalls ein breites Sortiment an Weinen aus dem Blauburgunderland an. Jaeger, weit gereist und weltbekannt, ist stolz darauf, dass quasi vor seiner Haustür solch edle Tropfen produziert werden und der Meinung: «Unsere Schaffhauser Winzer müssen wirklich keinen Vergleich mehr scheuen.»
[Quelle: www.bluewin.ch]
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