Mo

14

Sep

2009

Der Schlag des Jahrhunderts

Roger Federer zeigte im Halbfinal des US Open gegen Novak Djokovic einen unglaublichen Gewinnschlag - und das in einer entscheidenden Phase des Matches. Roger Federer hat uns schon manch wunderbaren Schlag geboten. Den Smash-Passierball gegen...

... Andy Roddick in Basel, als der Amerikaner danach auf die andere Seite sprintete, um zu gratulieren. Schon ein Dutzend Mal gelang Federer ein Ball um den Netzpfosten herum, so nun auch im US-Open-Halbfinal gegen Novak Djokovic.

Im Finish dieses Spiels zückte er den Zauberstab dann nicht nur, er wedelte mit ihm wild durch die Luft: Djokovic lockte ihn mit einem Stoppball ans Netz, dann überlobte er ihn, Federer eilte zurück und passierte ihn mit einem Schlag durch die Beine hindurch. Und zwar traf er den Ball so hart und präzise, wie man das noch nicht einmal annähernd gesehen hatte.

Es war der Schlag des Jahrhunderts, und Federer verschaffte sich damit zwei Matchbälle. Die Partie abzuschliessen, war nach diesem Geniestreich nur noch Formsache. «Das war Missbrauch des Rackets», scherzte danach unsere spanische Kollegin. «Dafür müsste er gebüsst werden.» Und die Pressekonferenz mit Djokovic wurde mit der Frage eröffnet: «Ist dieser Kerl ein Gott oder nur ein Genie?» Es war wohl nicht die Frage, die der Serbe an diesem Tag zu beantworten gehofft hatte, als er aufgestanden war. Aber Djokovic fand eine recht interessante Antwort: «Ich habe das Gefühl, dass Federer entspannter spielt als vorher, weil er nun Vater geworden ist, geheiratet und alle Rekorde gebrochen hat. Das macht ihn noch gefährlicher.» Aber man müsse wohl Federer selbst fragen, wie er das empfinde.

Entspannter Maestro

Das wurde natürlich getan, und der Maestro sagte: «Ich war schon immer ziemlich entspannt auf dem Platz. Ich steigere mich nicht mehr so hinein wie noch vor einigen Jahren. Denn ich weiss, ich habe noch viele Punkte, Games und Matches zu spielen.» Eines gab Federer aber zu: «Es ist angenehm, dass ich den Journalisten nun noch relaxter entgegentreten kann. Denn die Frage nach Paris ist beantwortet. Jene nach dem Grand-Slam-Rekord auch. Und natürlich bin ich sehr froh, dass alles so gut gelaufen ist mit der Geburt und den Zwillingen.» Wenn er auf den Platz schreie, verspüre er zwar immer noch Druck. Aber er geniesse das Tennis so sehr, dass es ihm auch eine innere Ruhe verleihe.

Bleibt noch die Frage nach dem Schlag zwischen den Beinen. Gegen Daniele Bracciali in Dubai und gegen Sjeng Schalken im Davis-Cup sei ihm dieser Ball schon einmal gelungen, sagte Federer. «Aber nie so gut wie diesmal, und auch nicht in einer solch wichtigen Phase eines Spiels, auf einer solch grossen Bühne. Wir versuchen es oft im Training, aber da klappt es selten. Ja, das war wohl der beste Schlag meines Lebens.»

P.S. Versuchen Sie nicht, diesen Ball nachzumachen. Es könnte, vor allem wenn Sie ein Mann sind, ernsthafte Konsequenzen für Ihre Gesundheit haben.

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