Di

17

Nov

2009

Online-Beichte

Beichten ist unpopulär. Auch Mitglieder der katholischen Kirche gestehen immer seltener Priestern ihre Sünden. Anders im Internet: Auf Beichtseiten erleichtern täglich Hunderte ihr Gewissen. Kirchenvertreter bezweifeln aber, ob im Netz abgelegte Sünden vergeben sind.

Zittrige Knie auf dem Weg zum Beichtstuhl, um dem Pfarrer beim Geständnis ins Auge blicken? Nicht bei der Beichte im Web. "Es wurde noch nie so viel gebeichtet wie heute", sagt ein katholischer Pfarrer aus Österreich. "Das passiert im Internet, im Forum, in Talkshows oder beim Psychiater - aber eben nicht in der Kirche."

Der Pfarrer ist im Internet aktiv wie wenige andere seiner Profession. Dort gibt es eine Vielzahl von Angeboten wie beichte.de oder beichthaus.com, die suggerieren, dass es nicht schwer ist, online mit Jesus zu kommunizieren - ein Klick und die Sünde ist weg. Zwischendurch allerdings muss man auf einigen der privat betriebenen Seiten noch gewinnbringende Werbeanzeigen über sich ergehen lassen.

 

Die Verfehlung eintippen, mit der Maus auf das Feld "Herr, ich habe gesündigt" klicken, und schon geht das ganze über eine "gesegnete IP" gen Himmel. So einfach läuft das Ritual bei der privat betriebenen Seite beichte.de. Im Hintergrund läuten die Glocken. "Wenn Sie Ihre Verfehlungen wirklich bereuen, wird Ihnen wahrscheinlich vergeben", heisst die letzte Warnung, bevor sich die Message auf den Weg in das Postfach für Büßer macht.

Die Sünden bleiben bei beichte.de anonym. Beichthaus.com - nach Angaben des Betreibers die meistgenutzten Beichtseite Deutschlands - setzt hingegen auf das Prinzip des öffentlichen Prangers.

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