Do
11
Feb
2010
Nichts, was glücklich macht
Im Augenwinkel: eine pummelige Frau mit gros ser Tasche auf dem Schoss (schon aufgefallen – die machen das, um die Sitz-Speckröllchen zu verdecken). Sie kramt umständlich ein Tupperware hervor. Inhalt: eine aufgeschnittene Peperoni. «Machsch Diät?», fragt ihre Kollegin viel zu laut. Jetzt schauen alle hin. «Das isch alles e Frag vom Chopf», sagt die Pummelige optimistisch.
«Ich stell mir jetzt vor, das seged alles Schoggistängeli!» Man merkt: Da schwingt ein zaghafter Unterton mit. «Weisch», sagt sie tapfer, «ich verzichte jetzt 21 Täg uf Cholehydrat.» – «Was verzichte?», fragt die Dünne, die bestimmt zu jenen Frauen gehört, die futtern können ohne Folgen. Die Pummelige zählt auf: «Kei Herdöpfel (seufz), kei Riis (seufz), kei Pasta, kei Polänta, kei Schoggi …» Die Dünne fällt ihr ins Wort: «Du meinsch, nüt, wo glücklich macht? Krass!» Die pummelige nickt stumm und isst noch ein weiteres Peperoni-Stück.
«Findi super!», sagt die Dünne. «Chumm, dadruff gömmer grad go es Kafi neh!» Dann schlendern sie eingehakt übers Perron. Dick und Dünn. Und man drückt der Pummeligen die Daumen, dass sie zu ihrem Espresso nicht noch ein Stück Kuchen nimmt. Und man wünscht der Dünnen, dass ihre Gene ewig halten.
[Quelle: Aus "Abgefahren! Im Zug mit Katja Walder" im heutigen Blick am Abend.]


