Di
08
Jun
2010
Wenn dich der Teufel reitet
Als ich heute aufgestanden bin, war ich voller Hoffnung. Obwohl dieses Gefühl bis jetzt nicht verschwunden ist, ist mir nicht klar, um welche Hoffnungen es sich handelt. Es war kein aussergewöhnlicher Tag, nicht die Zeit für hohe Sprünge oder gar einen Besuch beim Frisör. Es fehlt mir im Grunde nichts. Ausser vielleicht gerade die alte Hoffnungslosigkeit, die mir meine Wünsche austreibt, bevor diese sich in mir breit und breiter machen.
Ich bin eher ein gläubiger Mensch. Dass Hoffnung von jeher mit Glauben in Verbindung gebracht wird, finde ich logisch. Das sind zwei grundverschiedene Dinge, die sich durch ihre Gegensätzlichkeit zu Höchstleistungen anspornen. Gefühle sind wahrhaftig unveränderbar. Und alles andere wird ohnehin behaglich geknetet, aus einer gewissen Lethargie heraus strecke ich dann und wann den Arm aus, erfühle Klumpen mit ansatzweise tauben Fingerballen, umschliesse sie mit aller Hand, beginne die Formerei. Wobei ich mich gerne selbst vergesse. Und das nur, um in Gartenzäunen fremder Leute hängen zu bleiben.
Kürzlich beim Aufräumen fällt mir mein Schulbericht aus der ersten Klasse in die Hände: «Frech» und eine Sache – egal welcher Art – würde mir allerdings nur dann völlig gelingen, wenn ich mich selbst dabei vergesse. Früher war ich oft auf Pferdeconcours, weil ich Gspändli hatte, die Pferde ritten. Einmal haben wir einen ganzen Tag lang Softeis verkauft und verspiesen. Erdbeer oder Vanille. Bis heute habe ich mich nicht entschieden, welche Geschmacksrichtung mich mehr ekelt. Ich denke mir das so: Egal, welcher Teufel einen reitet, das grösste Hindernis ist man sich meistens selbst.
[Quelle: Die Kolumne im heutigen Blick am Abend, geschrieben von Salome D. Fenn (Ostermundigen BE).]


